Reise

Roadtrip durchs Dixieland – Golf und Rock ’n‘ Roll in Tennessee

Quer durch den US-Bundesstaat Tennessee nehmen wir Sie mit auf eine bildstarke und musikintensive Rundreise – natürlich gepaart mit ein paar fantastischen Golfplätzen. Vom King of Rock ’n’ Roll bis zu melancholischen Jazz-Sounds, perfekt getrimmten Greens, vollmundigem Whiskey und ganz viel Kultur.

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Hermitage GC
Getty Images
Mirimichi Golf Course
Sweetens Cove
Fairfield Glade Resort

Könnten Magazinseiten singen, würden Sie jetzt dem ikonischen Song »Tennessee Whiskey« von Chris Stapleton lauschen. Dieser rauchig-vernebelte Barsong spiegelt exakt das Gefühl wider, das einen Rundreisenden in diesem geschichtsträchtigen Bundesstaat am Mississippi dauerhaft begleitet. Wir haben uns in Tennessee umgesehen – sind auf den Spuren von Elvis und Johnny Cash gewandelt, haben uns in die befreiende Gedankenwelt von Martin Luther King begeben, wurden in die Szene des Tennessee-Whiskeys eingeführt und natürlich haben wir die spannendsten Golfplätze erkundet.

Der Geburtsort des Rock ’n’ Roll liegt unbestritten in Memphis. Das spürt man noch heute an jeder Straßenecke der Stadt. Memphis ist eine Art Freilichtmuseum, in dem man sich unbedingt zwischen Graceland, dem Museum für Menschenrechte und der Beale Street bewegen sollte.

Graceland

Elvis Presleys Anwesen umweht auch bald 50 Jahre nach seinem Ableben noch immer ein besonderer Zauber. Das Haus ist das zweitmeistbesuchte Haus der USA – nach dem Weißen Haus in Washington. Es ist heute ein frei begehbares Museum. Man wandelt auf den authentischen Spuren des Kings durch sein Wohnzimmer und flaniert in sein Esszimmer – wenn Priscilla in der Stadt ist, speist sie dort noch heute, an dem mit Hochzeitsgeschirr gedeckten Tisch. Weiter geht es durch die skurrile Bar im gelben 70er-Jahre-Style und das Billardzimmer, in dem Elvis Partien mit seinen Kumpeln Jerry Lee Lewis, Carl Perkins und Johnny Cash zockte. In den Außenbereichen besucht man auch das »Racquetball-Center«, in dem er 1955 nach einer Squash-Session mit Freunden »Unchained Melody« komponierte. Das Lied ist auch der letzte Song, den Elvis jemals live spielte. Der sehr beeindruckende Rundgang endet im »Meditation Garden«, in dem er neben seinen Eltern und seiner Tochter Lisa-Marie seine letzte Ruhe fand. Zu Graceland gehört mittlerweile ein wahnsinnig großer Landstrich. Dort stehen seine Flugzeuge sowie seine Autosammlung. Ein weiterer Komplex beherbergt die Plattensammlung nebst Outfits, Motorrädern und unzähliger Memorabilien – ein sehr lohnender Tagesbesuch.

Graceland
Elvis Presley

Sun Records

Sun Records ist die echte Geburtsstätte des Rock ’n’ Roll. Und vielleicht ist die größte und legendärste Geschichte der US-amerikanischen Musikhistorie einem einfachen Zufall zu verdanken. Elvis ging in das Tonstudio, um für einige Dollar eine Schallplatte als Geschenk für seine Mutter aufzunehmen. Da der Studioboss Sam Phillips nicht zugegen war, erledigte Sekretärin Marion Keisker die Aufnahme. Elvis’ Stimme berührte die Dame so sehr, dass sie einen Termin zum Vorsingen bei ihrem Boss arrangierte. Der Funke sprang zwar nicht so recht über, aber nach einer Weile begann Elvis den Song »That’s AllrightMama« zu spielen. Mit diesem Lied eilte Phillips zum Radiosender in Memphis, der den Song spielte und sich vor Telefonanrufen nicht retten konnte. Der Rest ist weltweit bekannte Musikgeschichte, die in diesem kleinen, original erhaltenen Studio in einem einstündigen Rundgang (durch lokale Musiker) fantastisch anschaulich erklärt wird. Nach dem Besuch sollte man abends unbedingt die legendäre Musik- und Barstraße »Beale Street« ansteuern. In allen Clubs, Bars und Restaurants wird kostenlose Live-Musik gespielt. Es ist der Ort, an dem B.B. King, Elvis, Johnny Cash, Tina Turner, Roy Orbison & Co. ihre Karrieren begannen.

Sun Records

Öko-Golf in Memphis

Ein Star einer gänzlich anderen Ära hat in Millington, 17 Meilen nördlich von Memphis, golftechnisch im wahrsten Sinne des Wortes einen Fußabdruck hinterlassen – und zwar einen ökologischen. Justin Timberlake erreichte in den 90er Jahren, im Zeitalter der Boy-Bands, mit der Gruppe *NSYNC Weltruhm. Der heute 44-Jährige ist passionierter Golfer – was sich auch in seinem Single-Handicap widerspiegelt. 2008 kaufte Timberlake den Mirimichi Golf Course.

Memphis
Justins Öko-Projekt: Der Megastar und ehemalige Creative Director von Callaway hat einiges an Zeit und Geld in den Mirimichi Golf Course investiert. Der Verkauf war für den Musiker alles andere als ein finanzieller Erfolg. In summa stehen Timberlakes Maßnahmen der Anlage sehr gut zu Gesicht. Inzwischen zählt der Club zu den umweltfreundlichsten im ganzen Land.

»Mirimichi ist ein Wort der US-amerikanischen Ureinwohner und bedeutet »Ort des glücklichen Rückzugs«. Der 1925 gegründete Club sollte wohl genau das sein: ein Golfplatz als eine Art Zufluchtsort, auf dem Golfspiel einen Rhythmus hat und Teil der umgebenden Natur ist. Über sechs Jahre gestaltete Timberlake als Bauherr den Platz komplett um und investierte rund 16 Millionen US-Dollar, um Mirimichi zu einem der umweltfreundlichsten Plätze des Landes zu machen. Der neu umgestaltete Course wurde für sein Design vielfach gelobt und landete mehrfach auf Beliebtheits-Rankings der besten öffentlichen Golfplätze Tennessees. Beim Verkauf der Anlage 2014 machte die Musikerfamilie allerdings geschätzt 15 Millionen US-Dollar Verlust. Der Club ist aber seinem Credo treu geblieben. Nachhaltigkeit kombiniert mit Top-Design.

Entenzeremonie

Der »Peabody Hotel Duck March« ist eine skurrile Tradition, die täglich Dutzende Besucher anzieht: Seit den 1930er Jahren begleitet ein eigens eingestellter »Duckmaster« jeden Morgen fünf Enten vom Dach des altehrwürdigen Peabody Hotels in den Brunnenteich der Lobby. Die Enten watscheln in den Fahrstuhl, fahren auf die Lobbyebene und flanieren dann über den eigens für sie ausgerollten roten Teppich zum Brunnen. Am Nachmittag kehren sie in einem ebenso feierlichen Marsch zurück auf das Dach in die »Royal Duck Suite«. Besucher können einfach teilnehmen und dem liebenswerten Schauspiel kostenlos beiwohnen.

Der „Duck March“

Ikone der Bürgerrechtsbewegung

Das Lorraine Motel ist der Ort, an dem Dr. Martin Luther King Jr. am 4. April 1968 im Alter von nur 39 Jahren erschossen wurde. Das gesamte Haus ist heute das National Civil Rights Museum, das die Geschichte der Bürgerrechtsbewegung in den USA dokumentiert. Die Ausstellung ist sehr modern und erzählt auf großflächigen Bildern und Installationen die amerikanische Geschichte von der Sklaverei bis zur Gleichstellung der schwarzen Bevölkerung – heute »people of color«. Historische Originaltöne, Videos und interaktive Medien lassen die Vergangenheit bis ins 20. Jahrhundert kurzweilig lebendig werden. Der Rundgang endet mit einem Blick in die Zimmer 306 und 307, in denen Martin Luther King und seine Leute untergebracht waren, kurz bevor er auf den Balkon trat und dort erschossen wurde. Ein berührender, geschichtsträchtiger Ort.

Memphis

Auf den Mississippi gehen wir nicht weiter ein, denn das würde hier den Rahmen sprengen. Nur so viel sei gesagt: Memphis liegt direkt an diesem beeindruckenden Strom. Gehen Sie einfach bei Sonnenuntergang an die erhöhte Promenade »Beale Street Landing« und genießen in der untergehenden Sonne den Blick auf einen Schaufelraddampfer. Glauben Sie uns, Sie fantasieren umgehend Tom Sawyer und Huckleberry Finn auf einem Floß herbei.

Music City

Auf dem Weg nach Nashville halten wir eine knappe Autostunde von Memphis entfernt im »Tina Turner Museum« in Nutbush. Es liegt direkt an einer Ausfahrt und wurde in das originale Einklassen-Schulhaus der jungen Tina Turner gebaut. Ein kurzweiliger Stopp, der eine interessante Sammlung von Erinnerungsstücken der »Queen of Rock« beherbergt.

Nashville Country Music Hall of Fame and Museum

Angekommen in der Hauptstadt Tennessees staunen wir nicht schlecht. Für einen Besucher, der des Öfteren die USA besucht, bietet sich auf dem »Honky Tonk Highway« (Lower Broadway) ein unerwartetes Spektakel: An 365 Tagen im Jahr ist hier das pulsierende Herz der Stadt. In den 1930er Jahren ist die wahrscheinlich weltweit größte Partymeile der Livemusik entstanden. Die Besucher können täglich kostenlose Pop-, Rock-, Country-, Blues- & Rock ’n’ Roll-Talente erleben. Die unzähligen Bars und Clubs sind zumeist auch Restaurants. Viele der Gebäude sind mehrstöckig und die Straße bietet zudem die höchste Dichte an Rooftop-Bars, die uns je untergekommen ist. Selbst Jon Bon Jovi hat hier sein eigenes Clubgebäude. Legendäre Veranstaltungsorte, wie Tootsie’s Orchid Lounge und Robert’s Western World, haben Künstler wie Willie Nelson und den erst im September 2024 verstorbenen Kris Kristofferson hervorgebracht.

Tina Turner Museum

Tagsüber empfiehlt es sich im Musikflow zu bleiben. Wie wäre es mit Country? Das mitten in der Stadt gelegene »Country Music Hall of Fame and Museum« umfasst unglaubliche 32.500 Quadratmeter Gesamtfläche. Das etwas außerhalb gelegene historische RCA Studio B gehört ebenfalls dazu. Es wurde 1957 eröffnet und ist das älteste noch erhaltene Aufnahmestudio in Nashville. Direkt von der Country Hall of Fame fahren mehrmals täglich Busse die kurze Tour zum »Tempel der 1.000 Hits«.

Schafskopf in Nashville

Der 1986 gegründete Hermitage GC mit seinen 36 Bahnen war die erste öffentliche Golfanlage in Nashville, nordöstlich von Nashville direkt am Cumberland River gelegen. Der Vorzeigekurs ist der President’s Reserve, der im Jahr 2000 von Denis Griffiths entworfen wurde. Die vielen Bunker des Platzes sehen zum Teil aus wie lange Finger, die scheinbar nach den Bällen greifen und selbst sehr erfahrene Spieler ins Schwitzen bringen. Das Clublogo – das Konterfei eines behornten Schafsbocks – ist hier Programm: Eigentümer Mike Eller hat eine »Golfherde« von mittlerweile 45 Blackface-Schafen auf dem Gelände angesiedelt und die haben immer Vorrang. Da ist bei manchen Schlägen Konzentration gefragt.

Hermitage Golf Club

Johnny Cash Museum

Johnny Cash – eine der prägendsten Figuren der US-amerikanischen Musikgeschichte. Der Sänger, Songwriter und Gitarrist mit der unglaublich markanten Stimme schuf eine musikalische Vielfalt. Elemente aus Country, Rock, Blues und Folk vermischten sich bei ihm zu zeitlosen Songs. »Ring of Fire«, »I Walk the Line« und »Folsom Prison Blues« sind Ausdruck seiner kreativsten Schaffensphasen. Er pendelte als faszinierende Persönlichkeit zwischen Rebellion und Spiritualität, was ihm schließlich den Weg nach Hollywood ebnete. Das interaktive Johnny Cash Museum in Nashville ist unbedingt einen Besuch wert. Direkt in einer Seitenstraße des Honky Tonk Highway findet sich die größte Sammlung von Erinnerungsstücken seines Lebens.

Johnny Cash, Frau June Carter Cash und Sohn John Carter Cash

Die grüne Stadt am Tennessee River

Die Heimat des deutschen PGA-Profis Stephan Jäger ist die ökologische Vorzeigestadt des Bundesstaats. Chattanooga ist heutzutage eine der saubersten und lebenswertesten Städte in den USA. Dabei galt die Gemeinde noch bis in die 60er Jahre als eine der schmutzigsten Städte landesweit. Seitdem hat Chattanooga einen äußerst beeindruckenden Wandel vollführt. Investitionen in grüne Infrastruktur, Energieeffizienz und umweltfreundliche Mobilität haben den Ort zu einem weltweiten Vorzeigeobjekt im Hinblick auf Städteplanung gemacht.

Der Süden: Stephan Jägers Wahlheimat Chattanooga liefert einen Mix aus urbanem Lifestyle und eindrucksvollen Locations wie Rock City Gardens, die Ruby Falls oder den Aussichtspunkt Seven States Stone

Gut 15 Autominuten vom Zentrum entfernt befindet sich der Hausberg der Stadt, der Lookout Mountain, nach dem Chattanooga auch benannt wurde. Dort befinden sich die Rock City Gardens und die Ruby Falls. Rock City Gardens beherbergt gut 400 Arten von Pflanzen, Blumen und Sträuchern und uralte Felsformationen, die man auf einem Rundweg entdecken kann. Ein weiterer Höhepunkt ist »Lover’s Leap«, von wo aus man einen herrlichen Ausblick auf gleich sieben Bundesstaaten hat: Tennessee, Kentucky, Virginia, North Carolina, South Carolina, Georgia und Alabama liegen einem zu Füßen. Direkt in der Nähe liegt der Eingang des »Ruby Falls«. Der unterirdische Wasserfall befindet sich 340 Meter unter der Bergoberfläche des Lookout Mountain. Der Wasserfall ist der höchste und tiefste unterirdische der Vereinigten Staaten. Aber keine Panik: Sie kommen entspannt mit dem Fahrstuhl herunter und hinauf, müssen nur ein kleines Stück durch eine gut ausgeleuchtete Höhle gehen.

Um das Naturspektakel Chattanooga vollends zu genießen, empfehlen wir, sich am Abend zu der Walnut Street Bridge zu begeben. Auf der schicken Sehenswürdigkeit über dem Tennessee River lässt sich der Sonnenuntergang besonders genießen. Seit 1993 ist die Walnut Street Bridge eine reine Fußgängerbrücke. Mit 724 Metern zählt sie zu einer der weltweit längsten Brücken ihrer Art.

Die »Anomalie im Golf« – Sweetens Cove

Dass etwas Besonderes in puncto Golf in der Luft liegt, beweisen auch Gazetten wie New York Times oder Forbes, die Journalisten auf eine Golfanlage irgendwo im Nirgendwo, 30 Minuten westlich von Chattanooga, bemühen. Wenn Mitglieder aus Baltusrol, New Jersey, gekleidet in ihren Member-Polos, dem Eigentümer erklären, dass sie nur wegen dieser Anlage die Reise in den Süden Tennessees angetreten haben, dann muss etwas Großartiges den langen Weg rechtfertigen.

Die Geschichte des Sweetens Cove Golf Club beginnt mit Rob Collins, einem eher unbekannten Architekten aus Chattanooga, der nach einem Weg suchte, in der Golfplatzarchitektur Fuß zu fassen. 2010 erfuhr er, dass seine Alma Mater, die Universität Sewanee, die Renovierung ihres Golfplatzes plante – mit dem renommierten Architekten Gil Hanse. Collins schaffte es nicht in dieses Projekt. Aber King Oehmig, der ehemalige Head-Coach der Baylor School in Chattanooga und Trainer von Luke List, Harris English und Stephan Jäger, brachte den jungen Architekten andernorts ins Gespräch.

Sweetens Cove ist nicht nur Golf – es steht auch für Genuss. Inspiriert von der Tradition, dass Spieler auf dem ersten Abschlag einen Schluck Whiskey trinken, riefen die Sportasse Roddick (li.), Manning & Co. die Whiskey-Marke »Sweetens Cove« ins Leben. Es wurden drei exklusive Bourbon kreiert, die schnell zu begehrten Liebhaber-Whiskeys wurden. Der Cocktail »Kindred Spirit« aus dem »Kennessee« ist der Signature-Cocktail im »Cradle Crossing« in Pinehurst (größtes US-Golfresort und Major-Austragungsort).

Ursprünglich als der heruntergekommene Sequatchie Valley Golf & Country Club bekannt, schien dessen Zukunft nach der Schließung ungewiss. Doch dann kaufte das circa 40 Hektar große Gelände in Sweetens Cove der Unternehmer Bob Thomas, um es vor der Umwandlung in eine Pferdefarm zu bewahren. Dessen Sohn Reece beauftragte Rob Collins und seinen Partner Tad King mit der Renovierung der Anlage.

Collins und King erschufen einen völlig neuen Platz mit beeindruckenden Grünkomplexen, breiten Fairways und kreativen Hindernissen, der sich mit den besten Golfplätzen der Welt messen kann. Inspiriert von Bahn-Ikonen wie die #4 in Pebble Beach oder dem Himalayas-Green der #5 in Prestwick, wurde hier alles auf Links (!) gedreht. »Nummer 5« wurde in South Pittsburg auf der vierten Bahn umgesetzt, die als einzige auf diesem Platz einen Namen trägt: King. Zu Ehren von King Oehmig. #1, #2, #3, King, #5, … Wo gibt’s schon so was?

»King« in Sweetens Cove: Das gigantische Himalayas- Green der #4 hat eine Länge von 85 Metern.

Anfangs alles ein harter Kampf – Sweetens Cove hatte 2017 keine Sponsoren, kein Marketing und kaum Spieler. Der Durchbruch kam vor allem mit Instagram (inzwischen 43.700 Follower) und die wachsende Begeisterung in der Golf-Community, weshalb er international auch als der erste »Social-Media-Golfclub« bezeichnet wird. Die Prämisse des Clubs – nur zwei Regeln: 1. Respektiere den Platz. 2. Respektiere die Menschen – egal mit welchem Hintergrund, Herkunft oder Hautfarbe. Ansonsten kann hier quasi jeder machen, was er will.

Das zog prominente Investoren an: Andy Roddick, Peyton und Eli Manning oder auch Tom Nolan (Ex-Vicepresident bei Ralph Lauren) erkannten das Potenzial und wurden Miteigentümer. Sie machten Sweetens Cove zu einem Kultort für Golf-Puristen und trugen dazu bei, den Club international bekannt zu machen. Inzwischen kam auch noch die Whiskey-Marke »Sweetens Cove Spirits« hinzu. Und auch dieses Projekt wurde ein Erfolg.

Golf in Tennessee

Tennessee ist das Zentrum des alljährlich zu vergebenden FedEx-Cups, da Memphis das Luftfracht-Drehkreuz und die Heimat der Logistikfirma FedEx ist. Analog zum Race to Dubai wird in den USA der FedEx-Cup für den Gewinner der jährlichen Rangliste vergeben. Die St. Jude Championship findet in diesem Rahmen als eines der Finalturniere auf dem TPC Southwind in Memphis statt. Insgesamt gibt es in Tennessee aktuell 283 Golfclubs. Davon sind 146 öffentlich, 66 kommunal und 71 reine Privatclubs.

Mirimichi GC

Knapp 25 Autominuten nördlich von Memphis gelegen, befindet sich der Mirimichi GC. Musikstar Justin Timberlake hat mehrere Jahre am Platzumbau gewerkelt und ließ schicke Details wie Wasserfälle und romantisch plätschernde Bachläufe einarbeiten. Dennoch wurden keine überbordenden Erdmassen verbaut, sodass die 18 Löcher relativ flach verlaufen. Neben den zahlreichen Seen fordern die tief liegenden Bunker auch gute Spieler heraus, das Spiel einzelner Bahnen strategisch zu planen. Der Platz ist sportlich gestaltet, aber durch die vielen unterschiedlichen Teeboxen für jeden Spieler gut zu bewältigen. Der Course wurde perfekt in die Umgebung, samt der natürlich hochwachsenden Grassorten, integriert und belohnt auch trotz der ein oder anderen sportlichen Herausforderung. Vom Design bis zum Service bietet Mirimichi ein klasse Golferlebnis auf hohem Niveau.

Mirimichi GC: 76

Index: 4,34/4,91

Anspruch: 13

Zustand: 12

Design: 21

Kulisse: 15

Service: 15

Bonus: 0

Hermitage Golf Club – Presidents Course

Das Areal des Hermitage Golf Club ist ein unfassbar schickes Fleckchen Erde. Die beiden Plätze »President’s Reserve« und »General Retreat« (von 1988 bis 1999 Austragungsort der LPGA Sara Lee Classic) führen durch 300 Hektar natürliche Feuchtgebiete Tennessees. Sie schlängeln sich entlang der Ufer des pittoresken Cumberland River, was für teils spektakuläre Abschläge über den Flusslauf sorgt. Der Zustand der gesamten Anlage ist perfekt gepflegt. Und lassen Sie sich nicht von der auf dem Platz beheimateten Schafherde aus dem Rhythmus bringen.

Hermitage GC: 74

Index: 1,75/2,52

Anspruch: 9

Zustand: 12

Design: 22

Kulisse: 16

Service: 15

Bonus: 0

Heatherhurst Brae

Der Platz liegt in der »Golf-Hauptstadt von Tennessee« und gehört zum Fairfield Glade Resort. Mit neun erstklassigen Golfplätzen in einem Umkreis von 20 Meilen innerhalb von Cumberland County ist Crossville der ideale Ort für einen Golfurlaub mit Meisterschaftsplätzen. Der Brae bietet bereits auf den Front Nine seltene Herausforderungen: Die Bahn 4 gehört zu den wohl weltweit schönsten. Ein doppeltes Dogleg mit einer sensationellen Bahnführung. Man hat sowohl am Abschlag als auch für den Transportschlag optisch jeweils eine handtuchbreite Landezone, die dann bei beiden Male erneut einen Schlag über den Otter Creek erfordert. Optisch eine Augenweide. Loch 10 ist aus Autorensicht eines der schönsten Par-5-Löcher. Die Bahn führt steil bergab zu einem Grün, das einen malerischen Blick auf den Lake Dartmoor bietet. Der Pflegezustand der gesamten Anlage ist top, ein »must play« in der Golfregion!

Heatherhurst Brae: 65

Index: 1,23/2,17

Anspruch: 8

Zustand: 12

Design: 19

Kulisse: 15

Service: 11

Bonus: 0

Stonehenge GC

Ebenfalls zum Fairfield Glade Resort gehört der »Stonehenge Course«. Der Architekt Joe Lee hat ein unberührtes Stück Land im hügeligen und bewaldeten Cumberland Plateau zu seiner persönlichen Leinwand gemacht und Stonehenge erschaffen. Der Platz verdankt seinen Namen den Natursteinmauern, die sich durch das Layout ziehen. Natürliche Felsformationen spielen auf mehreren Löchern eine Rolle, darunter die spektakuläre 14. Ein Par 3, das sich aus 30 Metern Höhe direkt auf das Wasser zuspielt. Die folgende 15 ist ein sehr spaßiges Par 5, bei dem man vom erhöhten Abschlag am Fluss entlang faden sollte, um dann wieder aufwärts in die von Felsen und Wald gesäumte Bahn zu spielen. Der Platz bietet viele solcher »Spaßpassagen«. 2017 wurden alle Bunker und Drainagen im Stonehenge renoviert.

Stonehenge GC: 67

Index: 1,16/1,93

Anspruch: 9

Zustand: 12

Design: 22

Kulisse: 13

Service: 11

Bonus: 0

Sweetens Cove Golf Club

Was Rob Collins hier geschaffen hat, ist ein wahres Meisterwerk. Die gigantischen Grüns werden mit zwei Fahnen und immer von verschiedenen Tees gespielt. Allein durch diesen Fakt kommen abwechselnd 18 Löcher auf dem Kurs zusammen, weil sich die Bahnen komplett anders (an-)spielen. Ist auf der ersten Halbrunde ein Baum vor dem Grün im Spiel, ist es auf der zweiten Hälfte ein Bunker, der sich im Weg zum Ziel aufbaut. Die Puttflächen sind Linkstypisch bockhart, pfeilschnell und stark onduliert. Vom Tee zum Grün ist stets eine Portion Strategie gefragt, weil auf der Anlage überall wellige Fairways, sattes Rough und mitunter gigantische Sandareale lauern. Doch Sweetens Cove wäre nicht, was es ist, wenn sich am Ende des Tages – das Tagesgreenfee erlaubt grenzenloses Spielen – niemand über seinen Score aufregt. Es geht hier ja um die »Anomalie im Golf«: Respekt gegenüber dem Platz und den Menschen und die unbändige Freude an diesem wunderbaren Sport. Abschließende Randnotiz: Das Puttinggrün misst rund stolze 1.500 Quadratmeter!

Sweetens Cove GC: 67

Index: 2,32/-

Anspruch: 7

Zustand: 12

Design: 21

Kulisse: 15

Service: 12

Bonus: 0

Reiseführer Tennessee

Hotels

  • Memphis – The Peabody Hotel: Altehrwürdig mit toller Historie und lustigem »Entenwalk«.
  • Memphis – Hotel Napoleon: Kleines, schickes Boutique Hotel in unmittelbarer Citylage.
  • Nashville – Mint House at The Reserve: Modernes Apartment Hotel in fußläufiger Nähe zum Stadtkern.
  • Chattanooga – Hotel Edwin by Autograph: Edles Boutique Hotel mit Roof Top direkt an der Walnut Street Bridge.

Gastronomie

Rendezvous Charles Vergos (Memphis): Das Rendezvous serviert seit 1948 selbst geräucherte Rippchen. Es wird seit drei Generationen von der Familie Vergos geführt. Unbedingt dazu einen eiskalten Pitcher Bier der einheimischen Ghost River Brauerei genießen.

Arcade Restaurant (Memphis): Das Arcade ist das noch älteste, original erhaltene Restaurant in Memphis. Speros Zepatos gründete das typische Diner 1919, nachdem er von der griechischen Insel Kephalonia eingewandert war. Setzen Sie sich unbedingt auf Elvis’ Lieblingsplatz.

Rodney Scott’s Whole Hog BBQ (Nashville): Das erste Restaurant des US-amerikanischen Grillmeisters James Beard Preisträgers Rodney Scott. Die James Beard Foundation Awards sind die »Oscars der Küche«. Empfehlung: Bestellen Sie zu zweit einen »Barbecue Sampler«.

STIR (Chattanooga): Modernes Restaurant mit urbaner Ästhetik, das in den historischen Mauern der legendären »Chattanooga Choo Choo Terminal Station« entworfen wurde. Ganztagsempfehlung, egal ob Frühstück, Lunch oder Dinner.

Tennessee & Whiskey

Was den Tennessee Whiskey besonders macht, ist der einzigartige Herstellungsprozess, der ihn von anderen Whiskey-Sorten wie Bourbon unterscheidet. Während er grundsätzlich wie Bourbon produziert wird, gibt es einen entscheidenden Unterschied: Charcoal Mellowing. Hierbei wird der Whiskey vor der Fassreifung durch eine dicke Schicht Ahorn-Holzkohle gefiltert. Diese Methode macht den Whiskey weicher und entfernt störende Schwebeteilchen auf natürliche Weise.

Ein paar bekannte Brennereien in Tennessee sind:

  • Old Dominick (Memphis): Eine historische Brennerei mit starken Wurzeln in der Stadtgeschichte. Gegründet wurde sie 1866 von Domenico Canale, einem italienischen Einwanderer. Heute ist die Brennerei modernisiert und bietet Führungen durch den Produktionsprozess, die mit einer Verkostung enden.
  • Jack Daniels (Lynchburg): Wahrscheinlich die bekannteste Whiskey-Marke der Welt. Jack Daniels wurde 1866 von Jasper Newton Daniel gegründet und befindet sich zwischen Nashville und Chattanooga. Der spezielle Herstellungsprozess ist das Markenzeichen dieser weltberühmten Brennerei.
  • Chattanooga Whiskey Experimental Distillery (Chattanooga): Eine der spannendsten Brennereien in Tennessee, die 2015 gegründet wurde und als erste legale Brennerei in der Stadt seit über 100 Jahren gilt. Sie produziert kleine Chargen handgefertigter Whiskeys und setzt auf kreative und experimentelle Ansätze. Die geführte Tour ist besonders interessant, da man die innovativen Kreationen der Brennerei verkosten kann.

Anreise:
Wer seine Rundreise in Chattanooga beginnt, kann bequem nach Atlanta fliegen, da es dort die meisten Verbindungen gibt. Delta, KLM und British Airways fliegen auch Memphis an. Im Sommer 2025 startet Icelandair eine Verbindung via Reykjavik nach Nashville.

Reisezeit:
Das Klima in Tennessee ist subtropisch mit ganzjährig angenehmen Temperaturen. In den Sommermonaten kann es jedoch sehr heiß werden. Für Golfer ist Tennessee nahezu eine Ganzjahresdestination, wobei die Monate Oktober/November sowie März/April besonders für Saison-Abschlussfahrten oder Saison-Vorbereitungen ideal sind.

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