Reise

Mittsommer am Öresund – Golf in Dänemark und Schweden

Entlang des Öresund, der Meerenge zwischen Dänemark und Schweden gibt es viel zu entdecken: kulturelle Highlights, faszinierende Architektur und abwechslungsreiche Golfplätze.

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Antonio Marin
The Scandinavian
Køpenhavns Golf Klub
Falsterbo Golfklubb

The Scandinavian - Old course

Das magische Dreieck zwischen Dänemark und Schweden

Der Öresund (Øresund), umgangssprachlich von Dänen und Schweden einfach als Sund bezeichnet, ist eine der bekanntesten und stärksten frequentierten Meeresstraßen Europas. Das »magische« Dreieck zwischen Kopenhagen, Malmö und Helsingborg ist das kulturelle und wirtschaftliche Bindeglied zwischen Dänemark und Schweden.

An der berühmten 118 Kilometer langen Wasserstraße, deren schmalste Stelle nur vier Kilometer misst, tummeln sich fast 90 Golfplätze. Die Plätze beider Sund-Seiten sind entspannt zu erreichen, zumal das nördliche Ende im 30-Minuten-Takt mit Fähren verbunden wird. Am südlichen Ende verbindet das architektonische Meisterwerk »Öresundbrücke« die Städte Kopenhagen und Malmö.

Tradition trifft Moderne: Die Öresundbrücke ist die weltweit längste Schrägseilbrücke und ein Meilenstein moderner Architektur.
Die Müllverbrennungsanlage »Amager Bakke« versorgt nicht nur 160.000 Haushalte mit Fernwärme und über 62.000 Häuser mit Strom – das Dach dient als Skipiste und an der 85 Meter hohen Nord-Ost-Seite befindet sich eine Kletterwand.

Dänemarks Hauptstadt: Die Sehenswürdigkeiten

Wer zum Golfen zunächst nach Kopenhagen kommt und zwischen den Runden nicht allzu viel Zeit für Sightseeing findet, dem sei ein anderes Dreieck empfohlen: Nyhavn, Tivoli und Schloss Amalienborg. Diese drei Stars unter den Kopenhagener Sehenswürdigkeiten sind untereinander in nur 15 Minuten zu erreichen und eignen sich perfekt für lauschige Mittsommer-Abende nach schönen Golfrunden.

Man startet am besten kulturell: In Schloss Amalienborg sind zwei Rokokopaläste der Stadtresidenz des dänischen Königs der Öffentlichkeit zugänglich – sehr sehenswert. Über den Tivoli braucht man wohl nicht allzu viel erzählen, außer, dass es der wohl sehenswerteste Vergnügungspark Europas ist. Die Stimmung im Sommer – bezaubernd. Für uns der magischste Ort Kopenhagens ist der Nyhavn. Der pittoreske Hafen ist das wohl meistfotografierte Symbol der Stadt. Hier ist es jahreszeitenunabhängig wunderbar »hyggelig« (gemütlich) – im Sommer nach der Golfrunde ein kühles Getränk, im Winter mit wärmendem Glögg über den schicken Weihnachtsmarkt schlendern – herrlich!

Das 265-jährige Schloss Amalienborg ist die barocke Stadtresidenz von König Frederik X.

Wer noch etwas mehr Zeit findet, sollte unbedingt eine Kanaltour ab/bis Nyhavn buchen. So sehen Sie auf entspannte Art die kleine Meerjungfrau, das Opernhaus und die Black Diamond Bibliothek. Weiter geht es nach Schweden – ist nur eine Brückenlänge entfernt. Am anderen Ende der Öresundbrücke mieten wir uns direkt im Zentrum der Stadt Malmö ein, die zur südschwedischen Region Skåne zählt.

Von Dänemark nach Schweden

Von hier aus würden wir 45 Golfclubs in weniger als 1,5 Stunden Fahrtzeit erreichen. Die Qual der Wahl fällt dann auf zwei Klassiker in unmittelbarer Nähe zur Stadt. Doch zunächst geht es ins Westhafenviertel von Malmö, wo wir uns den »Turning Torso« von Stararchitekt Santiago Calatrava ansehen. Der 190 Meter hohe Skyscraper besteht aus neun Würfelblöcken, die sich von oben nach unten um gesamt 90 Grad verdrehen – ein faszinierender Anblick.

Nyhavn

Der gesamte Westhafen beeindruckt mit nachhaltiger Architektur und sehr moderner Stadtplanung. Hier verschmelzen moderne Wohngebäude mit großzügig angelegten Grünflächen und einem Netz von malerischen Gehwegen und Radwegen, die sich entlang der Küste ziehen. Am Wasser gelegen, laden gemütliche Cafés, stilvolle Restaurants und charmante Boutiquen zu entspannten Stunden ein.

Am nördlichen Ende des Städtedreiecks am Öresund liegt Helsingborg. Eine charmante Küstenstadt, die mit einer Mischung aus historischem Erbe und modernem Flair punkten kann. Bei einem Spaziergang entlang der belebten Promenade kann man den herrlichen Ausblick auf die sehr nahegelegene dänische Küste genießen.

Hans Christian Andersen Statue und Eingang zum Tivoli

Das märchenhafte Schloss Sofiero zieht vorwiegend Gartenliebhaber an, auch da der Schlosspark 2010 zu Europas Park des Jahres gewählt wurde. Er beherbergt etwa 10.000 farbenfrohe Rhododendren in 300 unterschiedlichen Sorten. Zudem bietet er auch spannende Einblicke in die königliche Geschichte Schwedens. Im Zentrum Helsingborgs lockt der mittelalterliche Turm Kärnan mit Panoramablicken über die Stadt und das Meer. Seine Ursprünge gehen bereits auf die Wikinger zurück, die von einer an der gleichen Stelle errichteten Sandburg den Schiffsverkehr überwachten.

Die Top 5 in Öresund

Öresundbrücke: Eine der beeindruckendsten Ingenieurleistungen Europas. Sie hat eine Gesamtlänge von etwa acht Kilometern und kombiniert einen Brücken- und einen Tunnelabschnitt. Auf der Brücke verlaufen PKW- und Bahnstrecke übereinander. Vom Baubeginn im September 1993 bis zum Betriebsbeginn im Juli 2000 vergingen fast sieben Jahre. Die Baukosten betrugen knapp 16 Milliarden Euro.

Öresundbrücke

Mittsommer: Das größte und traditionsreichste Fest in Schweden ist Mittsommer (schwedisch: Midsommar). An dem Tag sind die Golfplätze äußerst leer, denn nahezu ganz Schweden fährt aufs Land und feiert bei Tanz, Musik und gutem Essen. Aufgrund der Helligkeit schaffen Sie an diesem Tag locker zwei bis drei Runden.

Zimtschnecken: Die »Fika« ähnelt der britischen Teatime und wird in guter Gesellschaft, einem Heißgetränk und dem wohl verführerischsten Aroma der Welt begleitet – einer Zimtschnecke (schwedisch »Kanelbulla«). Dieser Leckerbissen wurde im Ersten Weltkrieg erfunden, wurde jedoch erst in den 1950er-Jahren richtig populär. Zuvor waren die Zutaten (Mehl, Zucker, Ei, Butter, Zimtzucker und Kardamom) teuer und schwer zu beschaffen. Ein tägliches Muss in Schweden.

Kaltbadehäuser: In der südschwedischen Region Skåne haben Kaltbadehäuser eine besondere Tradition. Abgesehen von der Attraktivität als Fotomotiv, ist diese schwedische Tradition dem Trend der medizinisch erforschten Langlebigkeit weit voraus. Erst in der Sauna schwitzen und dann rein ins kalte Meerwasser – gesünder geht es kaum. Zwei der fotogensten sind Pålsjöbaden in Helsingborg und Ribersborgs in Malmö.

Statue von Henrik Larsson und das Kaltbadehaus »Pålsjöbaden« in Helsingborg mit einer über 100-jährigen Tradition.

Schloss Kronborg: An dem Ort, an dem Dänemark und Schweden nur gut vier Kilometer voneinander trennen, steht das wohl berühmteste Schloss Skandinaviens. Schloss Kronborg ist bekannt als Schauplatz von Shakespeares »Hamlet«. Der Legende nach soll in den unterirdischen Kasematten der Sagenheld Holger Danske schlafen; doch bei einer Bedrohung Dänemarks würde er dann erwachen. Das Renaissance-Schloss ist UNESCO-Weltkulturerbe, in dem Besucher im Sommer Hamlet-Aufführungen beim Shakespeare Festival erleben dürfen.

Golf in Dänemark

The Scandinavian – Old Course: 87

Index: 0,91/-

Anspruch: 22

Zustand: 12

Design: 23

Kulisse: 16

Service: 14

Bonus: 0

Die drei Gründer und Manager des Softwareunternehmens Navision verkauften ihr Unternehmen 2002 an Microsoft. Mit einem Teil des Multi-Millionen-Dollar-Erlöses verwandelten sie, in der Nähe von Kopenhagen, eine alte Militärbasis in eine erstklassige Golfanlage. Das Gelände besteht aus zwei 18-Löcher-Plätzen (Old und New Course). Als Architekt wurde Robert Trent Jones Jr. engagiert. Was dort entstanden ist, gehört definitiv zu Europas Spitzenanlagen und hat uns nahezu euphorisiert. Es gibt fast ausschließlich interessante Löcher, bei denen viele Wege über Wasser führen. Die gesamte Anlage ist wunderschön konzipiert und insbesondere die Par-3-Bahnen sind äußerst stimmig und auch der Pflegezustand ist außerordentlich gut.

The Scandinavian – New Course

The Scandinavian – New Course: 85

Index: 0,89/-

Anspruch: 20

Zustand: 12

Design: 23

Kulisse: 15

Service: 14

Bonus: 1

Der New Course ist der sportlichere der beiden Plätze. Er beherbergte kurz nach unserem Besuch die Amateur-Europameisterschaften des vergangenen Jahres und präsentiert sich in einem Top-Zustand. Beim New Course sind besonders die Back Nine eine echte Augenweide. Zwei Bahnen sind auf dem Terrain ehemaliger Schießstände entstanden, weshalb sie optisch eng und abschließend mit hohen Wallen designt sind. Erstklassige Doglegs, die von erhöhten Abschlägen erreicht werden, und weitere traumhafte Par-3-Löcher komplettieren das Rundenerlebnis. Zudem bietet der Platz auch strategische Löcher, die Spieler zu Risk-and-Reward-Schlägen verlocken. Gehen Sie unbedingt vor oder nach der Runde in das Clubhaus. Es gleicht eher einer modernen Kathedrale – entworfen von demselben Architekturbüro wie die Oper von Sydney. Wer Kopenhagen besucht, sollte hier unbedingt aufteen.

KGK Køpenhavns Golf Klub

KGK Køpenhavns Golf Klub: 65

Index: 1,26/-

Anspruch: 15

Zustand: 12

Design: 13

Kulisse: 15

Service: 8

Bonus: 2

Ein echtes Kontrastprogramm zum »The Scandinavian«. Hier ist alles eine Ecke historischer und kleiner, dadurch aber nicht minder reizvoll. Gegründet im Jahr 1898, ist es der älteste Golfclub in Skandinavien. Seit 1899 verläuft der Platz teilweise durch das einzigartige Naturschutzgebiet und Jagdrevier Dyrehaven. Ein Umstand, der die Runde zu einer einzigartigen Begegnungsstätte mit neugierigen Rehen und Hirschen macht. Für Gäste ist bereits der Weg zum Club-Holzhäuschen besonders, da man mit dem Auto außerhalb parken muss. Nach einem fünfminütigen Spaziergang durch die besondere Atmosphäre eines von Wildtieren belagerten Parklands erreicht man das kleine, hölzerne Clubhaus – sehr besonders. Der Platz selbst ist von einem Waldgebiet umrandet, die Bahnen jedoch eher offen und klassisch wie ein Links Course angelegt. Während unseres Besuchs war der Pflegezustand erstklassig. Diese Mischung aus Links-Platz im tierreichen Parkland Course ist allemal eine Reise wert.

Golf in Schweden

Falsterbo Golfklubb: 74

Index: 1,2/-

Anspruch: 13

Zustand: 10

Design: 22

Kulisse: 15

Service: 12

Bonus: 2

Falsterbo wurde am südwestlichsten Zipfel Schwedens erbaut, ist Schwedens drittältester Club und einer der wenigen »echten Links-Kurse« auf dem europäischen Festland. Der Platz wird von einem alten Leuchtturm dominiert, der stolz neben dem 13. Fairway steht. Die ersten sechs Bahnen fühlen sich an wie ein Inland-Kurs, doch ab der 7 öffnet sich das Gelände zur Fahrrinne des Öresund und der Spaß beginnt. Der Course bietet ab dieser Bahn sehr interessante Löcher und gipfelt in einem brillanten Finish. An Bahn 17 sollte man sich die Zeit für einige Schnappschüsse nehmen, denn das Panorama vom hinteren Abschlag ist fabelhaft. An einem ruhigen Tag ist Falsterbo idyllisch. Wenn der Wind weht, kann er allerdings ganz schön bissig werden.

The National – Links: 80

Index: 0,9/-

Anspruch: 15

Zustand: 11

Design: 23

Kulisse: 15

Service: 14

Bonus: 2

Mölle Golfclub

Mölle Golfclub: 73

Index: 1,24/-

Anspruch: 14

Zustand: 12

Design: 20

Kulisse: 16

Service: 9

Bonus: 2

Mölle liegt an der äußersten Spitze der Halbinsel Kullaberg (nördlich von Helsingborg) inmitten uralter Kulturlandschaft und ist ein echter Geheimtipp. Von etlichen Bahnen hat man fantastische Panorama-Ausblicke aufs Meer, besonders beeindruckend vom Abschlag an der achten Bahn. Zu sehen sind der Hafen von Mölle sowie die schwedische und dänische Küste. Die Bahnen sind nicht besonders lang, und es gilt eindeutig Präzision vor Länge. Mit einem längeren Hybrid kommt man hier bestens über den Platz, der Driver dürfte für die meisten Spieler wohl eher selten notwendig sein. Auch der Mölle Golfclub überzeugte uns während der Mittsommer-Zeit mit seinem hervorragenden Pflegezustand und bot blitzschnelle und spurtreue Grüns. Wenn man bedenkt, dass aufgrund des Naturreservats keinerlei »Chemie« zum Einsatz kommt, ist die Arbeit der Greenkeeper besonders hoch zu bewerten. Man sollte sich Zeit nehmen, um die Umgebung rund um die Anlage zu genießen – der Anblick macht richtig Spaß.

Den kompletten Reisebericht gibt es in der Ausgabe #3/2025.

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