Tipps & Tricks

Golf Bunker: Warum sind sie so schwer und wie meistert man sie?

Mit dieser Geschichte stimmen wir Sie auf den Sommer ein. PGA-Professional Walter Nigl zeigt, wie die Rettung aus Bunkerlagen gelingt.

Stefan Heigl

Beim Fotoshooting hatte Fotograf Stefan Heigl regelrecht Mühe hinterher zu kommen. Walter Nigl, PGA-Professional im Quellness & Golf Resort Bad Griesbach, lässt beiläufig einen Ball nach dem anderen in den Sand purzeln, um ihn dann lässig Richtung Fahne zu schlagen – bergauf, bergab, Mid-Distance, Transportschlag oder auch tief eingebuddelt. »Alles ganz leicht, wenn die Technik passt«, verrät er schmunzelnd. 

Wie komme ich aus dem Bunker?

Während einer Runde fürchten die meisten Golfer kaum einen Schlag so sehr, wie den aus dem Sand. Dabei bedarf es für die Rettung aus dem Bunker keinerlei Zauberei. Mit der korrekten Technik und der richtigen, unverkrampften Einstellung gelingt der Schlag gewiss. Aus der täglichen Trainingspraxis weiß Walter Nigl zu berichten, dass die meisten Freizeitgolfer den Bunker als Bedrohung ansehen und nicht als »Herausforderung« oder gar Chance. Mit einer positiveren Einstellung geht es nämlich mit deutlich mehr Selbstvertrauen in die Sandkiste – und wieder heraus. Und das ist meist notwendig, um mutig durch den Sand zu schwingen. 

Bevor es um die technischen Feinheiten geht, erklärt der Profi, sollte beim Bunkerschlag folgendes differenziert werden: »Möchte man als Freizeitspieler einfach nur erfolgreich aus dem Sand kommen oder ist man ein ambitionierter Leistungsgolfer, der auch auf die Dosierung wert legt?« Denn diesen verschiedenen Zielen liegen auch verschiedene Techniken zugrunde.

Im Bunker: Den Sand richtig lesen

Beim Lesen eines Grüns nehmen sich Profis und auch ambitionierte Amateurspieler viel Zeit. Das ist beim Bunker meistens nicht der Fall – zumindest bei den Hobbygolfern. Die meisten Spieler steigen einfach in den Sand und legen los. Allerdings sollte schon vor Betreten des Hindernisses eingeschätzt werden, wie der Sand beschaffen ist. 

Wer bereits in unterschiedlichen klimatischen Verhältnissen und auf verschiedenen Plätzen gespielt hat, weiß: Sand ist nicht gleich Sand. Es gibt viele Sorten – hell oder dunkel, weich oder fest, grobkörnig geschrotet oder pudrig fein. Und das alles in unzähligen Kombinationen, zuzüglich verschiedener Witterungsverhältnisse, etc. Spätestens, wenn die Füße den sandigen Untergrund berühren, sollte unbedingt darauf geachtet werden, ob der Boden eher fest ist oder die Schuhe im Sand versinken. Und spätestens dann muss sich der Spieler entschieden haben, wie der Schlag auszuführen ist. 

Dosierungs-Hilfe

Die unterschiedlichen Beschaffenheiten eines Bunkers erfordern auch verschiedene Maßnahmen. Die feinen Abstufungen bedürfen viel Praxis, doch grundsätzlich gilt für die Dosierung: 

Weicherer Sand – höhere Schwunggeschwindigkeit (Schläger gräbt sich mehr ein).

Harter Sand – niedrigere Schwunggeschwindigkeit (Schläger prallt mehr vom Sand ab).

Hier zeigen wir Ihnen ein paar Übungen wie man den Bunker mit dem eigenen Standardschwung und ohne großartige Veränderungen erfolgreich meistert.

Auf den Bounce kommt es an
Auf den Bounce kommt es an

Welche Technik aus dem Bunker?

Liegt das primäre Ziel (bei weichem Sand) darin, sich mit einem Schlag aus dem Bunker zu »befreien«, sollten Sie folgendes beachten: Positionieren Sie Ihren Körper neutral, also parallel zur Ball-Ziellinie und denken hinsichtlich der Schwungdosierung daran, dass ein aus dem Sand geschlagener Ball unter Umständen weiter ausrollen wird. Vorteilhaft ist bei dieser Technik, dass ein normaler Standardschwung genügt. Bei der Ansprechposition das Körpergewicht auf beide Füße gleich verteilen und der Ball liegt etwas links der Mitte.

Die Schlagfläche bleibt neutral. Sollte der Sand eher weich sein und man sinkt tief ein, empfiehlt es sich, das Schlägerblatt etwas zu öffnen. Das erhöht den Bounce-Effekt des Sand-Wedge und der Schläger gräbt sich nicht ganz so tief in den Sand ein. Die Technik des Standardbunkerschlags sollte alle beherzigen, die größere Probleme beim Bunker haben und vor allem eines wollen: raus aus dem Sand. 

Alternative: Raus mit Gefühl

Wer sich im Bunker schon ziemlich wohl fühlt und nicht nur raus möchte, sondern auch strategisch den Ball platzieren will, für den ist eine andere Technik gefragt: Dann sollten die Körperlinien etwas links von Ziel zeigen und die Schlagfläche etwas geöffnet werden. Hierbei schwingt der Schläger dann entlang der Schulterlinie links vom Ziel. Die geöffnete Schlagfläche sorgt dafür, dass der Ball trotzdem in Richtung Fahne fliegt. »Vorteil dieser Technik: Die Sandmenge zwischen Schlagfläche und Ball wird reduziert, dadurch wird mehr Spin erzeugt, was für ein schnelleres Abstoppen des Balles sorgt«, sagt Walter Nigl.

Bei hartem oder nassem Sand empfiehlt es sich, das Gewicht etwas mehr auf den linken Fuß zu verlagern. Halten Sie dann den Schläger neutral – das reduziert den Bounce. Damit erreicht man ein tieferes Eingraben des Schlägers in den Sand.

Übung für den Bunker

Eigentlich ist es schade, dass viele Golfer keine große Freude bei Schlägen aus dem Bunker haben, sondern eher ängstlich und entsprechend angespannt diesen Schlag ausführen. Mit etwas mehr Verständnis, ein paar Trainingseinheiten und insbesondere spielerischen Übungen entsteht schnell das Selbstvertrauen. auch für Bunkerschläge.

Entdecken Sie im Bunker Ihr inneres Kind und machen allerlei Übungen. Besonders hilfreich ist es – bei Einnehmen des Ansprechposition – im 90-Grad-Winkel zur Ziellinie in der Mitte Ihrer Füße eine Linie zu zeichnen. Links dieser Linie (also näher zum Ziel) malen Sie einen Kreis, ähnlich wie ein Spiegelei.

Das Spiegelei herausschälen

Versuchen Sie dann – zunächst ohne Ball – mit dem Schläger beim Probeschwung das gesamte Spiegelei herauszuschälen. Das besonders Trickreiche am Bunker ist nämlich, dass wir im Gegensatz zum Schlag mit dem Eisen (erst Ball, dann Boden) unbedingt erst den sandigen Untergrund treffen wollen, um mit dem Sand-Wedge unterhalb des Balles durchzugleiten. Ganz besonders wichtig ist es, mit einer rhythmisch konsequenten Bewegung bis zum Finish durchzuschwingen.

Tipp: Machen Sie ein paar Schwünge und achten darauf, wo der Schläger in den Sand eintaucht. Zur Übung können Sie sich auch ein Tee auf das »Spiegelei« legen und samt dem Sand auf das Grün schlagen. So verlieren Sie die Angst, dass
der Ball eventuell zu weit fliegen könnte. Fühlen Sie sich etwas sicherer, legen Sie einen Ball in das frisch eingezeichnete Spiegelei und schlagen ihn aufs Grün. Sie werden sehen – kinderleicht, wenn erst mal die Technik stimmt. Wiederholen Sie die Übung je nach Bedarf und dann schlagen Sie die Bälle ohne die Hilfslinien in gleicher Art und Weise aus dem
Sand. Und schon sind Sie Bunker-König.

Welcher Bounce für Bunker Schläge?

Auf den Bounce kommt es an
Auf den Bounce kommt es an

Der Bounce ist der Grad der Wölbung an der Schlägersohle und beschreibt den Winkel zwischen der Sohle des Schlägers und dem Boden. Beim aufrecht platzierten Sand-Wedge liegt die »Trailing-Edge« tiefer als die »Leading-Edge«. Der Winkel zwischen dem Untergrund der Trailing- und Leading-Edge ist der Bounce. Ein Bounce kann zwischen wenigen Grad bis zu 14 Grad variieren – je nach spielerischer Vorliebe und Beschaffenheit des Heimatplatzes.

Der Bounce ist neben dem Loft auf den meisten Wedges als kleine Zahl mit eingraviert. Bei hartem Untergrund eignet sich ein niedrigerer Bounce, da man dann besser unter den Ball gelangt und das Eingraben der Schlägersohle in den Untergrund unwahrscheinlich ist. Bei weicheren Böden und überwiegend feuchten Spielbedingungen empfiehlt sich ein hoher Bounce, der besser vom Boden abprallen kann und sich nicht so leicht eingräbt. Je mehr das Schlägerblatt aufgedreht wird, umso größer wird der Abstand der vorderen Kante zum Boden und umso mehr Bounce kommt ins Spiel.

Verschiedene Arten von Bunkerschlägen

Wollen Sie Ihr Können weiter perfektionieren und rund ums Grün die Bälle auch nah an die Fahne legen? Dann
experimentieren Sie am Übungsgrün mit der Schwunggeschwindigkeit, der Sandmenge zwischen Schlagfläche und Ball und dem Schlägerloft – entweder durch Aufdrehen des Schlägers oder mit dem Wechsel zum Lob-Wegde.

Bunkerschlag: Mittlere Distanz

Der Grünbunker gilt für einige Spieler bereits als Herausforderung; der Mid-Distanz-Schlag (30–40 Meter) zählt allerdings zu den schwierigsten Schlägen. Die Schlagflächendosierung erfordert Feingefühl und Erfahrung. Es gibt verschiedene Möglichkeiten diese unbeliebte, mittlere Distanz aus dem Sand zu bewältigen. Testen Sie aus, welche Alternative für Sie zu den besseren Ergebnissen führt:

Möglichkeit #1: Ein Wedge mit weniger Loft zu nehmen. Nur weil es ein Sand-Bunker ist, muss nicht zwangsweise das Sand-Wedge das ultimative Allheilmittel aller Probleme sein. Nutzen Sie alternativ einen Schläger mit etwas weniger Loft – ein Pitching- oder Gap-Wedge – und führen einen Standardbunkerschlag aus. Diese Schlägerwahl eignet sich, wenn die Fahne am hinteren Grünende steht und Sie viel Grünfläche zum »arbeiten« haben. Bedenken Sie, dass der Ball dann auch weiter ausrollen wird. 

Möglichkeit #2: Ein Wedge mit mehr Loft. Wenn Sie bei einem Mid-Distanz-Schlag ein Lob-Wedge nutzen, wird beabsichtigt den Ball mit weniger Sand »clean« zu treffen. Die Dosierung der Längenkontrolle führt bei dieser Schlagvariante über die Schwunggeschwindigkeit. Auch beim Mid-Distanz-Schlag (und vor allem bei der Variante #2) ist es wichtig, mit einer rhythmisch konsequenten Bewegung bis zum Finish durchschwingen.

Wie geht der Fairway-Bunkerschlag?

So geht es aus dem Fairway-Bunker
So geht es aus dem Fairway-Bunker

Der Distanz-Bunkerschlag oder auch Fairway-Bunkerschlag wird – wie der Name bereits impliziert – klassisch wie vom Fairway gespielt. Allerdings mit einem kleinen Unterschied: Das Gewicht wird leicht Richtung Ziel nach links verlagert und der Ball befindet sich eher in der Mitte des Standes.

Das verringert die Gefahr, dass der Schläger zu früh in den Sand taucht. Die Schlägerwahl ist abhängig von der gewünschten Schlagdistanz und auch der Höhe der Bunkerkante. Ist die Kante etwas höher und Sie sind etwas verunsichert, empfiehlt es sich sicherheitshalber den Schläger mit der nächsthöheren Loftzahl zu nehmen.

Eingebohrten Ball oder Spiegelei meistern

Was tun beim eingebohrten Ball?
Was tun beim eingebohrten Ball?

Der eingebohrte Ball oder das sogenannte Spiegelei ist eine äußert ärgerliche Lage, aber keine Seltenheit bei der Natursportart Golf. Um sich zukünftig vor bösen Überraschungen auf dem Platz zu schützen, sollten Sie derartig anspruchsvolle Lagen üben, indem Sie Ihre Rangebälle im Bunker auch mal gezielt in den Sand treten und nicht immer wie im Bilderbuch oben auf dem Sand platzieren.

Grundsätzlich lässt sich die Spielsituation »eingebohrter Ball« mit ein paar Kniffen wie folgt lösen: Zunächst wird die Ansprechposition angepasst: Rechtshänder verlagern ihr Gewicht mehr auf die linke Seite, platzieren den Ball weiter rechts der Standmitte und nehmen den Schläger mit dem meisten Loft. 

Übung: eingebohrter Ball

Ziehen Sie wieder eine Linie in der Standmitte und drücken den Ball etwas rechts der Linie in den Sand. Bei der Ausholbewegung sollte das Gewicht auf der linken Seite bleiben. Das führt zu einem steileren Eintreffwinkel, wobei sich der Schläger tiefer in den Sand eingräbt. Beim eingebohrten Ball sollte das Schlägerblatt unmittelbar vor dem Ball in den Sand eintauchen. Achten Sie darauf, dass der Schwung nicht vor dem Ballkontakt abgebremst wird, da kein voller Durchschwung möglich ist. Berechnen Sie, dass der Ball deutlich weiter ausrollen wird.

Hanglagen im Bunker

Besondere Lagen, wie Hanglangen, erfordern auch besondere technische Anpassungen: Bei Bergauf-Hanglagen handelt es sich meistens um einen eingebohrten Ball. Daher kann wie zuvor beschrieben verfahren werden. Nur ist hier zu beachten: Passen Sie Ihren Oberkörper der Hangneigung an. Und bedenken Sie auch, dass der Schläger durch die Hangneigung etwas mehr Loft erhält, was zu einem höheren Ballflug führt und der Ball somit auch etwas kürzer fliegt.

Sobald man bergab steht, verliert der Schläger automatisch an Loft. Schwierig wird es, wenn dann auch noch eine Bunkerkante zu überwinden ist. Vorab zur Schlägerwahl: Sand-Experte Walter Nigl empfiehlt ganz klar den Schläger mit dem meisten Loft. Wer hat, sollte zum Lob-Wedge greifen. Durch die Bergablage und den steileren Eintreffwinkel startet der Ball nämlich flacher vom Schlägerblatt. Bei einer Bergab-Lage passen Sie ebenfalls Ihre Schultern der Hangneigung an.

Bergablage korrekt: (Foto links): Oberkörper dem Gefälle anpassen, Schlagfläche aufdrehen. Falsch (Foto rechts).
Bergablage korrekt: (Foto links): Oberkörper dem Gefälle anpassen, Schlagfläche aufdrehen. Falsch (Foto rechts).

Öffnen Sie die Schlagfläche etwas, da mehr Loft benötigt wird, um die erforderliche Flughöhe vor allem wegen der Bunkerkante zu erreichen. Platzieren Sie den Ball oberhalb der Standmitte (rechts), um ein zu frühes Eintauchen des Schlägers in den Sand zu vermeiden. Holen Sie etwas steiler aus und schwingen entlang dem Hang bis zum vollen Finish. Dabei sollte eine Rotation der Unterarme vermieden werden, da dies den Loft reduzieren würde. Auch hier sollte das Ziel sein, ein »hübsches Spiegelei« zu schlagen und mit dem Schläger durch den Sand zu dringen. 

Mehr zum Thema:

So gelingt der Backspin
Konstanz dank Synchronisation: Split-Hands-Drill
Flugkurven und Gear-Effekt
Putt-Training daheim: Am Ball bleiben